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Transkript des
Interviews vom 14.06.2005
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Mario Mewes als Befragter
(im weiteren als „ M.M “ gekennzeichnet)
Jörg Mußmann als
Interviewer (im weiteren als " J.M " gekennzeichnet)
Ursula
Mandl als
Interviewerin (im weiteren als
" U.M " gekennzeichnet)
Dauer des Interviews: ca. 45
Minuten
Ort:
Büro von Jörg Mußmann in den Räumlichkeiten der
Universität Hannover des Fachbereichs Sonderpädagogik
Form:
wörtliche Transkription
JM: „Vielen Dank
dafür,
dass du gekommen bist und
für die Aufnahmen. Und vielleicht kannstdu dich erst mal
vorstellen und erzählen .. von dir.“
MM: „Ja, ich heiße Mario
Mewes, bin am 07.10.58 geboren und ...
äh ... leite die Gruppe, schon drei Jahre und .... mh .. ja.“
JM: „Welchen Beruf hast du
ausgeübt?“
MM: „ Mh .. also gelernt habe ich
Maschinenschlosser,
Hubschraubermechaniker und LKW - Fahrer.“
JM: „ Warst du mit der
Arbeit so zufrieden?“
MM: „Mmh, ja“
JM: „.. mit dem was du
da gemacht hast? Wie lange hast du
da
gearbeitet?“
MM: „Fff .. ja bis zum .. bis ich
äh .. nen Schlaganfall hatte.“
JM: „Bis zum Schlaganfall.
Und ähm in der Zeit, in der du
dort
gearbeitet hast ähm, denkst du, dass du die Anerkennung bekommen
hast,
für das, was du dort geleistet hast?“
MM: „Normal also .. nix
besonderes. Ne.“
JM: „Hättest du dir
mehr gewünscht?!"
MM: „Nö. Ich war zufrieden.“
JM: „Woran hast du das
gemerkt? Also was, was war da, was
dich
zufrieden gemacht hat?“
MM: „Ja .. äh . das das is.
Ich war zum Schluss als LKW-Fahrer
tätig, habe meine Regelarbeitszeit gehabt, und .. lockeres
Leben, ne so .. von morgens um sechs bis nachmittags um vier .. das ..
der Rest
war Freizeit.“
JM: „Wie sah so dein
Tagesablauf aus?“
MM: "Äh .. ja ... wie sah der
aus? Mh .. ich bin nach hause
gekommen, hab mich frisch gemacht, hab die Kinder geholt, ach...
ja . Was so anlag, ne.“
UM: „Wie viele Kinder hast
du Mario?“
MM: „Zwei.“
UM: „Mädchen, Junge?
Wie alt?“
MM: „Jungen. Der erste ist 15, das
ist Steve- Maurice. Und der zweite
ist Myles- Fabrice, .. ist 12.“
JM: „Mh, hast du engen
Kontakt zu deiner Familie? Also zu
den
Familienmitgliedern und zu anderen?“
MM: „Äh (.) zu Anfang nicht,
aber jetzt nach und nach wird das so
langsam.“
JM: „Also nach dem
Schlaganfall hat sich das geändert?“
MM: „Ja, sehr geändert. Also
ich habe drei Jahre überhaupt
nicht gesprochen .. und wusste selbst nicht, was in mir vorging
.. äh .. und dann die letzten zwei zweieinhalb Jahre sind so ..
schematisch ganz nach oben
gegangen .. also ich habe laut äh .. also jetzt bei 80 Prozent.“
JM: „Vor deinem
Schlaganfall, ähm .. hast du beruflich
oder privat
denn viel, warst du viel in Situationen, wo du reden
musstest?“
MM: „Ja normal, ne. So ganz
normal.“
JM: „Hast du viel
gelesen oder geschrieben?“
MM: „Ja ich habe gelesen ,
Bücher. Mhh .. ja ich kann jetzt aber
nicht mehr lesen. Jetzt ist äh .. weil ich lese da maximal eine
Seite und
dann muss ich erst mal überlegen, und wer war das, warum,
weshalb, weswegen. Äh
.. ich muss dann .. glaube ich jedenfalls, regelrecht rein drücken
also jetzt äh ins
Gehirn rein äh. Mh ja .. ja genau.“
JM: „Hast du auch viel
geschrieben?“
MM: „Geschrieben hab ich nicht,
nein.“
JM: „Briefe oder so
was, Emails?“
MM: „Nee .. also .. Emails hatte
ich .. äh .. damals noch gar
nicht, ich hab das erst die zwei Jahre hier Schlaganfall, da habe
ich mir
das erst zugelegt und .. ja...“
JM: „Und
körperlich vor dem Schlaganfall, ähm ..
bist ein
kräftiger Mann, hast du dich grundsätzlich so
leistungsfähig
gefühlt, kräftig?“
MM: „Ich habe meine Arbeit getan,
und meinen Soll erfüllt, und ...
äh .. was später dann dazu kam, ist die halbe Seite ist
praktisch
gelähmt. .. Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich hab sie Gott sei
dank wieder .. so .. ganz
gut in .. Form gekriegt so. Irgendwie so .. ich weiß es
nicht.“
UM: „Und wie ist es
sportlich? Hast du in deiner Freizeit Sport
getrieben?“
MM: "Ja ich habe Eishockey
gespielt und .. habe geschwommen .. und so
weiter .. und .., ja, äh .. damit war leider dann
erst mal zu Ende. Aber ich .. mir schwebt es vor äh .. wieder da
hin zu kommen.“
UM: „Kannst du kurz sagen, wie
wichtig dir das war? Das Eishockey und
das Schwimmen?“
MM: „ Äh .. ich ich denke vor
meiner Zeit ist es egal was gewesen
ist, ich denke lieber was jetzt wichtiger ist und .. äh ...
ich denke auch nicht mehr so viel darauf, sondern ich denkemehr an die
Zukunft.“
UM: „ Wann genau war denn
überhaupt der Schlaganfall?“
MM: „Der war am 05.12.1999.“
UM: „Kannst dich gut dran
erinnern, ne?“
MM: „Ja, da war äh fünf
Tage lag ich da im Koma, oder was ..
weiß nicht wie und dann kam die Polizei und der Notarzt und hat
mich
raus geholt.“
JM: „Das war zu Hause?“
MM: „Zu hause bei mir, ja.“
JM: „Deine Familie, deine
Kinder, die waren nicht da?“
MM: „Nicht da. Meine zwei Jungs
die waren schon bei Oma und Opa
drüben in Northen. Und ich äh (.) hatte noch drei
Tage Urlaub, muss äh äh .. irgendwas erledigen, ich
weiß es nicht. Ich habe zwar schon
drüber gedacht nachzudenken, aber ich ich .. ich weiß nicht
wie, ich hatte drei Tage Urlaub
auf jeden Fall. Diese drei Tage konnte ich nicht nutzen, mhmh.. ja
flach da, ne. Und dann
habe ich, ich glaube am fünften Tag äh .. versucht an die
Tür zu kommen. Ffh ja ich
weiß nicht ob .. ich den nächsten Tag da auch immer noch
gebraucht hab. Ich hatte kein
Wasser, ich hatte gar nichts, ne also ich musste auf Toilette und
äh . es blieb nichts
anderes übrig wie da in die Ecke .. von der Bettkante runter und
dann .. irgendwie musste das klappen.“
JM: „Wenn du dich
versuchst in diese Situation
zurückzuversetzen,
dich zu erinnern, kannst du beschreiben, wie du dich da gefühlt
hast, kannst du das mit Worten beschreiben?“
MM: „Ne. Erstens, äh
schreiben ist erst mal meine Schwäche ..
und .. äh ... Sagen wir mal so ... zwei Monate vom Anfang
weiß
ich nicht genau, aber ich habe jetzt von denen Material gekriegt und
kriege das so alles
soso raus mit der Zeit, ne. Aber ich denke mal das dauert auch noch`n
bischen.“
JM: „Du warst dann in
äh .. in einer Reha- Klinik, ne?“
MM: „Ja.“
JM: „In dieser Zeit
als du da warst, hast du da daran
gedacht wieder in
deinen Beruf zurückkehren zu können?“
MM: „Nee, habe ich also.. Ich
denke ich habe das ich gar nichts
.. wie soll ich das sagen? Im Gehirn ist äh gleich null und
äh .. stückchenweise nach vorne. Da kommt man so einer oder
andere, da fällt mir noch, da
war noch was und so weiter .. und das zieht sich leider lange Zeit hin.“
JM: „Also das
heißt du hast gar nicht darüber
nachgedacht,
andere Dinge waren wichtiger?“
MM: „Ffh .. nee nicht direkt, ne.
Kurz vielleicht mal, da war doch
irgendwas und dann war’s weg, ne.“
UM: „Hast du denn da noch
Kontakt zu deinen Arbeitskollegen
gehabt?
Haben die versucht dich zu besuchen, oder so?“
MM: „Äh mh .. Ich muss euch
eine traurige Mitteilung machen, ich
hatte überhaupt keinen Besuch. Ich war die ganze Zeit allein.
Mein Vater war war einmal gekommen .. von Köln und .. dann war nix
mehr. Ich hatte
keine Freundin, ich hatte nur noch zwei Söhne und .. äh die
waren in Laatzen , wo die
acht Wochen waren, da waren die zwei mal da und danach in Hessisch
Oldendorf waren se
nicht mehr da.“
UM: „Und wie hat das,
äh wie hat sich das auf dich
ausgewirkt?“
MM: „Wie ich eben schon sagte, das
ist hier rein da raus. Also .. das
ist kein ne na ja also da ist Platz aber .. aber das alles so zu
sortieren das ist schwierig. Das war im ersten Jahr, im zweiten
und dritten Jahr .. es
ging so im dritten Jahr immer mehr, ich konnte mehr immer rein passen.“
UM: „Und wenn du das jetzt
so im Nachhinein beurteilen sollst?
Wenn du
jetzt weißt, du hast danach nur so wenig Besuch bekommen?
Macht dich das vielleicht traurig oder hast du dir mehr gewünscht?
War das in der
Situation für dich o.K.?“
MM: „Für mich war das letzten
Endes o.K. Aber .. im Nachhinein
sage ich jetzt, äh es wäre äh schön wenn jemand da
gewesen
wäre. Ich habe die 18 Monate äh überstanden und ich
kann’s auch ohne, ohne jemanden
der mit hilft. Das geht auch.“
JM: „In der Klinik,
wie, kannst du dich erinnern, wie sah
da so der
Tagesablauf aus?“
MM: „Ja, das ist ... also das war
Hessisch Oldendorf. Dann hatte ich
morgens, irgendwann vormittags Sprachstunde, zweimal.
Ergo .. dann .. Bobath und Krankengymnastik und das so den ganzen Teil
versorgt und
ähm .. es war .. äh Radfahren war das, mit dem und da musste
man lernen da .. nicht nur
mit einem, sondern mit beiden, der andere war festgebunden und das
alles so, ne.
Ja und dann in der Werkstatt war ich eine Stunde am Montag.“
JM: „Und in dieser Zeit,
wenn du dich mal erinnerst, ähm
mit wem
hattest du da am meisten Kontakt? Also mit wem hast du persönlich
die meiste Zeit verbracht?“
MM: „Ja ich, ich weiß nicht
wie die Leute heißen, aber das
sind die 18 Monate, wenn man da lebt dann kriegt man das äh
mit. Aber ich weiß nicht wie sie heißen, so ne. Weiß
ich heute noch nicht.“
JM: „Das waren
Therapeuten?“
MM: „Therapeuten waren das und da
war einer äh .. ich glaube
Klages, äh der war da der am meisten bei mir war."
UM: „Und hast du da auch
ähm Kontakt zu nicht nur zu
Therapeuten,
sondern auch zu anderen Mitpatienten gehabt, die es da ja auch
sicherlich in der Klinik gab?“
MM: „Weniger, weniger. Ich bin da
früh ins Bett gegangen und .. ja
rechtzeitig aufzustehen. Ich weiß nicht wie ja .. ist
ein Rhythmus gewesen, ne. Jeden Tag das gleiche.“
UM: „Aber auch viel
Programm, ne. Ich meine zwei mal
Sprachtherapie,
die Ergo und die Werkstatt.“
MM: „Gott sei dank, sage ich da
nur, jetzt. Also ich bereue es nicht
das ich nicht da irgendwelche nicht mitgemacht hab.“
JM: „Und wie war das
mit deinem Körper in dieser Zeit?
Konntest du
dich sozusagen, konntest du dich auf den verlassen in dieser Zeit? Wie
war das?“
MM: „Ffh verlassen, das ist gut.
Wenn ich das mal wüsste. Ähm
ich hab ihm eigentlich vertraut, aber immens zugenommen die
ganze Zeit äh ,weil da morgens, mittags, abends gab`s immer
die herrlichen Speisen
und so weiter. Ich wurde so richtig ne, 90 Kilo waren gar nichts. Ja du
lachst, ist echt war,
ne. Dann habe ich bis 75 Kilo wieder runter geschafft.“
UM: „Das ist ne Leistung.“
JM: „Da träumen
andere von.“
UM: „Und so in der
Krankengymnastik, wie war das da, wenn die die
Übungen mit dir gemacht haben?“
MM: „Ja das war so
Therapieübungen. .. Da wurde der Arm
bewegt und
äh ja ... und ein Arm wurde irgendwas da was gemacht.“
UM: „Kannst du eigentlich
die rechte Seite schon wieder gut
fühlen, oder gar nicht?“
MM: „Ja, kann ich.“
UM.: „Wie ist das, wie
fühlt sich das an? Wir kennen das ja
nicht.“
MM: „Wenn ich das genau
wüsste. Also .. ich sage mal immer
so, die
linke Seite ist voll, jetzt ausgelastet und die rechte ist auf
null. Aber äh, frag mich nicht, da kann ich den Arm bewegen da
nicht. Oder, ich weiß
nicht wie ich das erklären soll. Es ist irgendwie so`n so`n
.. Stück leeres
Gefühl .. und das nimmt nur Stück für Stück.
Ich kann ja mal sagen, was die Ärzte gesagt haben. Die
haben zu mir gesagt „Zehn Jahre“ .. und ich habe jetzt fünfeinhalb
Jahre rum und bin
dafür, glaube ich, schon ganz schön fit.“
UM: „Wenn da die Ärzte
einem sagen „So zehn Jahre werden Sie
wieder brauchen“, was denkt man denn da?“
MM: „Ja, das ist äh .. ist
die erste Zeit die einen bis drei Jahre
sind dann „Oh Mann, wann hört das endlich auf?“, „Wann kommt das
endlich anders rum?“ oder .. „Man muss doch irgendwas sehen“, ne. Man
sieht nichts
äh ... den Fortschritt sieht man nicht, ne. Und dann das kommt
erst nach und nach also, kann
man sagen nach vier Jahren dann sieht man was. Aber dann .. man
verlässt das dann,
man denkt „Ah ja, das wird schon“, ne. Und erst mal „Oh Mann, wann wird
das?“, ne. Und dann
jetzt, da denkt man anders drüber, .. mehr durchdachter oder
irgendwie.“
JM: „Du warst ja krank. Du
hattest viel mit Ärzten und
Therapeuten
zu tun, ähm die dir helfen wollten. Hattest du das Gefühl,
dass dir
die Leute .. mh genug zugetraut haben?“
MM: „Ja das haben sie. Das sage
ich jetzt im Nachhinein so, weil
äh ich früher gedacht habe „Oh Mann, ich muss da hin“. Ich
hab so`n gewissen Druck immer gehabt. Ich musste dann äh von
Sprache zur Ergo und
musste da aber die Treppen so runtergehen. Und nicht den den Rollstuhl
nehmen äh da
musste ich richtig die Treppe runtergehen, das war grausam. Aber ich
muss sagen, das war
gut.“
JM: „In dieser Zeit,
was war dir da am wichtigsten? Als du
in der Reha
warst?“
MM: „Wie ich in der Reha war war
mir mit der Schlaf am wichtigsten. Ich
bin abends um acht ins Bett gegangen um neun hab ich
geschlafen. Dann hab ich durch gepennt bis morgens um halb sieben, und
dann war ich wieder
halbwegs fit. Und dann habe ich aber genauso zwischen eins und zwei
auch wieder voll
geschlafen.“
JM: „Und in der
Therapie, oder der (.) den Dingen die die
Ärzte
gemacht haben, was war dir da am wichtigsten? Was hast du von den
anderen
erwartet?“
MM: „Das wird, das kann ich nicht
sagen äh also. Erwartet
hab ich gar nichts. Ich kann sagen äh, .. die haben praktisch von
null
angefangen und systematisch so aufgebaut.“
JM: „Aber gab`s
irgendwas, was du speziell von denen
wolltest?"
MM: „Nee konnte ich ja nicht. Ich
konnte ja nicht reden.“
JM: „Aber du hast ja
vielleicht was gedacht?“
MM: „Ja was gedacht, aber ich hab
doch .. äh .. ich konnte was
sagen, aber es kam nichts, ne.... Irgendwie so.“
JM: „Was hättest
du denn gesagt, wenn du hättest
reden
können?“
MM: „Ja, ne ganze Menge.“
JM: „Und was?“
MM: „Ja, alles mögliche. Was
der da macht, warum er es gemacht
hat, äh wie was hat das für einen Zweck oder sonst irgend ..“
JM: „Du wolltest also
mehr Informationen wissen, was die
machen. Das
wusstest du nicht?“
MM: „Ja. Ich wusste gar nichts.
... Aber ich darum darauf gesagt ..
mein war Erfolg, also.“
JM: „Und wenn du
hättest reden können, was
hättest du
den Ärzten und Therapeuten gesagt was dir am wichtigsten
wäre, in der
Therapie?“
MM: „Ich kann ja erst mal so
sagen, wenn die, wär` mein .. Stand
viel höher gewesen. Und äh ich hatte ja auch nicht die
Sprache
beeinflusst oder irgendwas, äh ich sag mal ein bischen
beeinflusst. Aber ich könnte das
sagen was ich wollte .. das wäre das wäre gekommen, ne. Aber
wenn ich heute drüber
nachdenke, äh muss ich sagen, es dauert länger bis es kommt.
Es kommt zwar, aber .. es sind so zwei
drei Sprünge und dann .. es geht nicht mehr so schnell wie
früher.“
JM: „Äh, wenn du
gut also hättest sprechen
können und
die hätten gesagt „Herr Mewes, Sie haben jetzt drei Wünsche
frei. Was wir
machen können für Sie“. Was hättest denen du gesagt?“
MM: „Ffh, das ist ne schwere
Frage. Ich weiß es nicht.“
JM: „Versuchs.“
MM: „Ganz ehrlich, das kann ich
nicht. Das äh .. wahrscheinlich
nach meinen beiden Jungs gegangen, oder .. wären an erster
Stelle gewesen. Und was ich sonst so gemacht hätte, ich weiß
es nicht. Ich .. ich kann’s
nicht sagen.“
JM: „Wenn du beim
Therapeuten hättest etwas bestellen
können,
so wie im Restaurant. Was hättest du gesagt? Was ist mir wichtig
beim Logopäden?“
MM: „ ... “
JM: „Keine Idee?“
MM: „Ne.“
JM: „Ähm, die
Ärzte und Therapeuten die haben dich ja
lange
Zeit gesehen, die haben ja viel mit dir zu tun gehabt, ne? Äh wenn
du mal
versuchst dich, .. du hast die ja kennen gelernt, dich mal versuchst in
die hineinzuversetzen. Was
denkst du, wie haben die dich wohl gesehen?“
MM: „Würde ich sagen, das
haben sie ersten 18 Monate nicht so
sehr, weil sich da gar nichts getan hatte. Aber .. jetzt wo se alles
vier Wochen also bei Kur bei der Kur hingehe, sie sagen „Oh, das ist
gut, das ist besser.
Das ist gut, gut, gut.“ Und ja .. „
JM: „Was meinst du,
wenn die sich so in der Besprechung
unter Kollegen
unterhalten haben .. über dich, was meinst du haben die
sich über dich erzählt?“
MM: „ Äh .. ja .. das
ist kann, da hänge ich auch
wieder
nicht drinne, weil äh .. ich weiß nicht. Die werden das
bestmögliche gesagt
haben, aber ähm .. ich weiß nicht.“
JM: „Wie hättest
du dich selbst beschrieben oder wie
würdest
du dich selbst beschreiben in dieser Zeit damals, was du konntest und
wie du
dich gefühlt hast?“
MM: „Ich hab mich sehr
gefühlt schlecht und mies. Das
heißt
ähm ... um wieder auf die Hand zu kommen oder den Fuß,
ähm
.. ich hab das .. im Laufe der Zeit immer mehr es ändert
sich ja gar nichts es tut sich ja nichts
.. 18 Monate und äh es tut sich nichts. Das was mich bischen
depressiv gemacht hat.“
JM: „Wie war das mit
der Sprache damals?“
MM: „Ja das war .. da war
kein Ton kam da raus.“
UM: „Und wie hast du
dich verständigt dann, mit den
anderen?“
MM: „Ja, mit den Händen
und mit den Füßen und wie
wir
gerade so übrig blieb.“
JM: „Und hattest
du das Gefühl, dass ähm,
die Leute, mit
denen du dich mit Händen und Füßen äh gezeigt
hast, das die
dich immer verstanden haben?“
MM: „Na ja, das weiß
ich nicht, das glaube ich nicht. Ich
habe
zwar gedanklich habe ich .. in meinen Gedanken .. das gehabt das Ding,
aber wie soll ich denen das verkaufen, ne? Ich weiß es nicht.“
JM: „Woran konntest du
denn merken in dieser Zeit, dass der
andere dich
verstanden hatte?“
MM: „Pffh.“
JM: „Was war das, wo
du sagen konntest „Ah, jetzt hat er es
kapiert“?“
MM: „Ja, aber .. das mehr so. Ich
hab mit dann mit der gesunden Hand
auf das .. Ding auf das Haus äh ... auf das Teil
gerade drauf ist also jetzt äh .. also mir tat mein Arm weh und
dann bin ich damit zur Schwester und hab
(zeigt mehrfach auf seinen Arm) ne, so. Ohne was zu sagen, und dann hat
sie geguckt
und „Ah ja, das ist ja ein Kratzer“ oder irgendwas, ne. So
ungefähr.“
JM: „Bei
komplizierteren Dingen, wenn du z.B. mal wolltest,
das jemand
pff .. deinen Sohn anruft oder ..?“
MM: „Nee ja, ne das habe ich ja
nicht gemacht und äh zweitens
äh ich konnte es ja nicht sagen, das ist ... Ich muss dazu ganz
ehrlich sagen, ich hätte versucht es aufzuschreiben..“
JM: „Wenn du hättest
schreiben können?“
MM: „Ja, wenn ich hätte
schreiben können. Wenn ich also
die
Sprache nicht hätte und ich hätte noch beide Hände,
äh ich hätte
es aufgeschrieben.“
JM: „Kannst du sagen,
wie du dich da gefühlt hast?
Fällt dir
da vielleicht ein Bild ein oder so was? Wie ging es dir da, als du den
Gedanken
hattest, hast du ja gesagt, aber das kam nicht raus?“
MM: „Wenn ich das so genau
wüßte.“
JM: „Fällt dir
irgendein Wort ein dazu?“
MM: „ .. ja war ich, ja es
gibt ein Wort, aber äh es .. Es
fing
systematisch an äh. Wenn ich jetzt mal krass sage „Sie Arschloch“,
dann
habe ich öfters hintereinander gesagt. Und äh, dann frage ich
mich äh, „Oh, was habe
ich denn jetzt gedacht?“. Ich, was ... ich denke, aber ich sage
„Ich Arschloch“. Und weil das total
durcheinander ist.“
JM: „Aber du dachtest,
du hättest es gesagt?“
MM: „Ja. Also ich äh ...
machen wir mal so: Ich gehe ins in den
Garten, aber gesagt habe ich „Ich Arschloch“.“
JM: „Du hast gedacht
du hast es gesagt oder hast du es
gesagt?“
MM: „Hhh, ja wenn ich das so genau
wüsste. Das is immer so`n .. da
geht von rechts nach links .. und da und da und ich weiß
nicht wie das ist, ne“
JM: „Gab`s da noch
mehr Situationen von, das du dachtest du
hättest was gesagt und du dachtest es kam dann was ganz anderes,
wo das
alles durcheinander war?“
MM: „Is äh .. die Therapeuten
sagen, wenn ich rein kam dann habe
ich „Guten Tag“ gesagt. Es kann sein dass ich gesagt habe
„Sie Arschloch“. .. Das ist dann der Nachteil dabei, ne.“
UM: „Kannste im Nachhinein auch
nicht mehr sagen, ne?“
MM: „Nee, kann ich nicht. .. Also
das ist wirklich .. wo ich drei
Kreuze gemacht habe, dass de sagst das nicht mehr. Das war echt ey.
Da kann man sagen halbes Jahr dreiviertel Jahr .. immer das gleiche
Wort. Ah ne, das war
echt peinlich.“
JM: „Aber die
Therapeuten haben dir da ja nun geholfen.“
MM: „Die haben mir da geholfen.
Das war eben erst da so .. Beispiel
gehabt a, b, c, d und so weiter. Und dann aa oder bc und
so, das wurde da so richtig zusammen gepackt.“
JM: „Gab es etwas was
du, was besonderes, was du von
den
Sprachtherapeuten dabei wolltest? Was dir wichtig gewesen war?“
MM: „Ich muss da ganz ehrlich
sagen die 18 Monate, ich sage heute, die
liefen ganz gut ab ... Aber was .. das Einzelne .. das kann ich
dir glaube ich dir nicht mehr sagen. Aber es kann genauso gut kommen,
dass ich
nächstes Jahr wieder komme und dann sage ich alles. Aber irgendwo
gehen die hin und dann .. Es
ist ja so, die Zellen sind ja alle noch drinne die ich früher
gehabt habe. Aber die werden
nur noch, da kommt dann einer, ich weiß nicht. Ich bin sehr
zuversichtlich.“
JM: „Zweitletzte Frage
zur Zeit in der Reha hab ich noch.
Ähm was
war .. die Sache in der Reha, von der du denkst, das hat mir am
meisten genützt?“
MM: „Äh a) kann ich sie nicht
nutzen und b) ..“
JM: „Nee, das war am
besten in der Reha.“
MM: „Das war das die Werkstatt.
Vor allen Dingen weil ich tun und
lassen konnte was ich wollte.“
JM: „Das war in
anderen Situationen anders?“
MM: „Ja.“
JM: „Warum, wie war das
anders?“
MM: „Ja die haben ihre
Mäppchen gehabt .. und dann .. wurde das
gemacht, systematisch wurde das gemacht, ne. Alles nach
Dienstschrift wurde das gemacht und eh da in der Werkstatt da kam ich
rein und war .. „Ey
bin ich wieder genervt“ so ungefähr, ne. Dann habe ich mich erst
mal gesetzt und dann
war ich eine Stunde da und .. dann habe ich dann irgendwas gemacht, was
ich machen konnte
und .. war locker das.“
JM: „Jetzt hast du eben
schon gesagt, was dir nicht so gut
gefallen
hat. Trotzdem noch mal die Frage: Welche Sache in der Reha hat dich
denn
am meisten da gestört in dieser Organisation?“
MM: „Die Küche.“
JM: „Die Küche?“
MM: „Ja.“
JM: „Ja o.k., das sind
die Krankenhausgeschichten. Und in
der Therapie,
äh was hat dich da am meisten gestört?“
MM: „Therapie hat mir am meisten
Spaß gemacht schon ..aber
irgendwie.“
JM: „Gibt es
irgendeine Sache aus dieser therapeutischen
Arbeit, die
mit dir gemacht wurde, wo du sagen würdest, diese Sache, die hat
mich am meisten gestört?“
MM: „Ja wie gesagt, die
Küche, ne .. also sonst nichts.“
JM: „ Das heißt, du
hattest auch therapeutische Arbeit in
der
Küche?“
MM: „Ja aber ich konnte alles nur
mit einer Hand abwaschen und mit
einer Hand .. äh irgendwas, das war tierisch zum äh
kotzen.“
JM: „Und dann kam die
Zeit nach der Reha, ne?“
UM: „Wann hattest du denn
das, das erste mal wieder das
Gefühl, ja
so einigermaßen klappt das wieder mit dem Sprechen und mit meiner
Motorik, in der Hand und dem Fuß?“
MM: „Ich muss ja so sagen, ich
habe sehr viel weiter gemacht und
äh ich habe Ergo gemacht äh .. Ergo, Bobath und Sprache habe
ich zweimal die Woche weiter gemacht. Und äh weil ich auch der
Meinung war, dass ich
äh viel mehr kann. Hab mich so auf meine Erinnerungen von
früher gedacht, was habe
ich alles gemacht, ne. Und jetzt wollte ich auch .. äh ich
will noch, ne so
ungefähr.“
UM: „Hast dir
zugetraut, dass du das wieder schaffen
kannst?“
MM.: „Ich will es schaffen, ja.“
UM: „Ja, mmh.“
MM: „Das dauert zwar noch`n
bischen und .. aber ich will es schaffen.“
UM: „Und ähm, wann war
so der erste Zeitpunkt, wo du gesagt
hast,
jetzt plötzlich, wie ein Durchbruch, ich kann meine Hand wieder zu
was
gebrauchen?“
MM: „Ne, das war ganz langsam.“
UM: „Das kommt ganz langsam,
mmh.“
MM: „Das ist, wenn ich das so
zeige, das ist so, .. das geht noch nicht
so richtig. Ich mache das mittlerweile so, dass ich jetzt alles
auf rechts mache ... Fleisch schneiden oder nicht oder irgendwas. Und
ich esse damit und
äh es klappt. Und äh ich habe jetzt demnächst vor, hab
ich wenn ich jetzt äh dann ein
bischen Urlaub gemachen und dann werde ich mich mal mit der linken Hand
auf den Rücken festbinden
und jeden Tag sechs Stunden.“
JM: „Wo haste denn die
Idee her?“
MM: „Jaa, kleine Tips.“
Der Rest folgt ........ *Smile
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